Raether_Treibland„Das war der Traum meines Mannes“, sagte sie schließlich und wandte anscheinend mit Mühe den Blick zu ihm. „Verschwinden. Da hin.“

„Wo ist das?“

„Inchkeith. Eine kleine Insel in der Nähe von Edinburgh, im Firth of Forth. Das war sein Treibland, so hat er das genannt.“

„Treibsand?“

„Treibland. Mein Mann war ja Segler, unser Boot liegt im Yachthafen.“ Angeberin, dachte Danowski. „Treibland sind Nebelbänke auf See, die wie Land aussehen“, fuhr sie fort. „Flüchtig und unerreichbar.“

Danowski fiel der alte Polizistenwitz ein: Kennen Sie den Verdächtigen? – Ja, aber nur flüchtig. Den hätte er jetzt eigentlich von Finzi erwartet.

„Und dahin wollte Ihr Mann sich verflüchtigen, nach Inchkeith?“

„Auf der Insel gibt es nur einen unbemannten Leuchtturm, automatisch betrieben, und ein paar leer stehende Wirtschaftsgebäude. Niemand lebt dort. Das Land gehört einem schottischen Millionär, der irgendeine Getränkeverpackung erfunden hat oder so was. Mein Mann hat immer davon geträumt, Inchkeith zu kaufen und dort eine eigene Destillerie aufzubauen und in fünfzehn, zwanzig Jahren mit einem Inchkeith Single Malt die Welt zu verändern.“

„Kann man mit Whisky die Welt verändern?“, fragte Danowski.

„Oh ja“, sagte Finzi dumpf hinter einer quadratmetergroßen Pappe. „Kommt nur drauf an, welche.“

Kommentar von Till Raether:

Die Insel Inchkeith war ein Zufallsfund: am frühen Morgen des Kreuzfahrttages, an dem wir im Firth of Forth auf Reede gingen (also: das Schiff mitten im Wasser vor Anker ging und wir mit Beibooten an Land gefahren wurden). Ich schlafe immer wenig auf Reisen, darum stand ich schon gegen sechs an der Rehling und sah, wie sich diese Insel aus dem Nebel schälte, während wir an ihr vorbeifuhren. Es stimmt, dass sie früher eine Quarantäne-Insel war, und dass sie jetzt verlassen ist bis auf einen automatisierten Leuchtturm. Und als ich sie von weitem sah, hatte ich für einen Moment genau die Fluchtfantasien wie Carsten Lorsch.

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