Versteck_Treibland«Der Tischler zeigte auf die Tür eines kleinen Verschlags, die nicht weit entfernt von der Cafeteria in der Bordwand war. Sie stand halb offen, dahinter sah man Werkzeuge und Halbdunkel.

„The lock is broken“, erklärte der Tischler. „And it stays broken. Because the locksmith doesn’t care about the job. That’s bad. So what is your job?“

“Police“, sagte Danowski. „I’m a policeman.“

Der Tischler lachte. „Okay. I see. Not much you can do here, then.“

Danowski schüttelte den Kopf und sah dem anderen dabei zu, wie er seine Arbeit wieder aufnahm. Ich bin so ein verdammter Kitschonkel, dachte er. Mir reicht eine Begegnung mit einem weisen Indianer (mittlerweile war er davon überzeugt, dass der Tischler ein Indio aus Südamerika war), und schon sehe ich klarer und weiß, was zu tun ist. Polizeiarbeit, dachte Danowski. Das Einzige, was mich jetzt noch retten kann vor Depression und Angst ist gute, altmodische Polizeiarbeit.»

(Treibland, S. 274)

Kommentar von Till Raether:

Manchmal finden Gespräche fast eins zu eins den Weg ins Buch. Das war so eins, außer natürlich, dass ich mich als Journalist bezeichnet habe. Der Schiffstischler hatte mir wohl meine leichte Langeweile angemerkt. Die ich an Bord eines Schiffes fast unvermeidlich finde. Aber Langeweile hat immer auch was Gutes: Sie führt dazu, dass man mit unscharfem Blick Dinge wahrnimmt, von denen man erst viel später merkt, dass man sie braucht. Als ich den kleinen Werkzeugraum fotografierte, hatte ich noch keine Ahnung, dass Danowski eines Tages ein Versteck brauchen und genau über dieses hier mit dem defekten Schloss dankbar sein würde.

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