Nacht_Treibland«Vom Hafen dröhnten die Container, wenn die Kräne sie auf die Lkw setzten, und ob da hinten schon die Morgendämmerung begann oder der Hafen einfach vor sich hinleuchtete, konnte er nicht ermessen, weil der Nebel zu dicht geworden war. Als er das erste Mal an Bord gegangen war, war der Sommer schon in der Stadt gewesen, wie eine Vorschau auf sich selbst. Jetzt sah er, während er sich an der weißen Metallwand Richtung Tischlerkabine schlich, wie der Nebel übers Wasser zog, als müsste die diffuse Kälte der Nacht noch illustriert werden. In Norddeutschland ist im Frühling Herbst, dachte Danowski.»

(Treibland, S. 394)

Kommentar Till Raether:

Klar, ich mag Krimi-Helden, die ganz in ihrer Arbeit aufgeben, diese besessenen Ermittler, die nur für ihren Fall leben und kein Privatleben haben. Aber Adam Danowski habe ich mir anders vorgestellt, als jemand, der gern pünktlich Feierabend macht, und der dann, als er nicht mehr nach Hause kann, bei jeder Gelegenheit an seine Familie denkt und daran, wo er jetzt lieber wäre. Dabei idealisiert er sein Familienleben natürlich auch: Im Grunde ist er ganz schön zerrissen und nirgendwo so richtig zu Hause. Das hindert ihn aber nicht daran, hin und wieder ein ganz schön sentimentaler Kitschonkel zu sein.

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