Pool_Treibland«Zu spät merkte er, dass er ein paar Schritte nach hinten gewichen war und dabei die Stahltreppe zum Bar- und Swimmingpool-Deck in seinen Rücken bekommen hatte. Er strauchelte rückwärts und geriet in jene unangenehme Position, wenn man sich mit einer Hand bereits vom Boden abstützt, die Füße aber noch glatt auf dem Boden stehen, als wären sie senkrecht.

Einer der Kopfkissenmänner trat ihm mit beiläufiger Gewissenhaftigkeit die Beine weg, als täte er dies nicht zum ersten Mal. Danowski konnte die drei kaum unterscheiden, sie trugen alle ausgewaschene Jeans und graue Sweatshirts oder Kapuzenjacken, Turnschuhe, Zeug, das jeder im Gepäck hatte. Danowski lehnte mit ausgestreckten Beinen auf dem Deck, stützte sich mit den Ellbogen ab und blinzelte in die Sonne, als wäre er in einem Liegestuhl und nicht in einer überraschend gewalttätigen Situation.»

(Treibland, S. 292)

Kommentar von Till Raether:

Die Treppe, die der arme Danowski dann gleich hinuntergeworfen wird, sieht man klein hinten in der Bildmitte. Eigentlich ist es ja sehr idyllisch auf dem Pooldeck, und auch die Kopfkissenbezüge, mit denen seine Angreifer sich tarnen, dienen ja im Prinzip friedlichen Zwecken.

Mir hat der Gedanke gefallen, dass alle, die ihn an Bord bedrohen, dies nur mit Dingen tun, die sowieso schon da sind, und das alles, was einem bei einer normalen Kreuzfahrt gar nicht besonders auffällt (eine Treppe, Kopfkissenbezüge, die Krankenstation, wo man sich sein Mittel gegen Seekrankheit abholt, die Cafés und Restaurants, das Theater und so weiter), in der Situation von Quarantäne und Vertuschung einen düsteren, gefährlichen Charakter bekommt.

Insgesamt muss Adam Danowski in „Treibland“ ganz schön leiden. Ich frage mich, was es bedeutet, dass ich immer, wenn ich eine Szene geschrieben hatte, indem er richtig was abkriegt, besonders entspannt, beinahe fröhlich von der Arbeit nach Hause kam.

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