Über den Autor

Portrait Till Raether © Manuel Krug

(c) Manuel Krug

Till Raether, geboren 1969 in Koblenz, arbeitet als freier Journalist in Hamburg, unter anderem für Brigitte, Brigitte Woman und das SZ-Magazin. Er wuchs in Berlin auf, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München, studierte Amerikanistik und Geschichte in Berlin und New Orleans und war stellvertretender Chefredakteur von Brigitte. Till Raether ist verheiratet und hat zwei Kinder.

 

 

 

Interview mit Till Raether

Dafür, dass Sie – Zitat Till Raether – «nicht malen können», ist das Acrylbild des «Todesschiffs» auf Ihrer Homepage ziemlich gelungen. Hätten Sie sich das Bild (oder dessen stimmungsvolle Grün-Braun-Tönung) auch für das Cover von «Treibland» vorstellen können?
Na ja, ich habe das Bild nach dem ersten Drittel der Arbeit gemalt, um mich in einer schwierigen Phase des Schreibens auf das Wesentliche, nämlich auf die bedrohliche, geheimnisvolle Atmosphäre von «Treibland» zu besinnen. Das hat auch ganz gut funktioniert, aber als Cover könnte ich mir das Gemälde höchstens für einen Mal-Ratgeber mit dem Titel «So nicht, liebe Acryl-Freunde» oder für einen Gedichtband vorstellen, in dem es um die Vereinzelung des Individuums in einem metaphorischen Meer von Bindungslosigkeit geht oder so. Die Farbwahl ist übrigens dadurch bedingt, dass Grün- und Brauntöne im Acryl-Set meiner Kinder am unbeliebtesten und daher am wenigsten eingetrocknet waren. Ich habe mich dann sehr gefreut, auf dem tatsächlichen «Treibland»-Cover später eine leichte Verwandtschaft mit dieser Farbwelt wiederzufinden.

Als Kolumnist schreiben Sie mit Lust und Laune über Gott und die Welt (vor allem über Letzteres). Was war für Sie der Kitzel, sich in die unübersehbare Schar der Krimi- und Thrillerautoren einzureihen? Vielleicht die Lust, endlich einmal an einer Geschichte voller bad guys und übler Machenschaften zu drehen?
Ich bin mit Regalen voller rororo-Thriller aufgewachsen, meine Mutter hat sie mit Hingabe und Begeisterung gelesen und gesammelt. Der Anblick der schwarzweißen Umschläge mit ihren lässigen Klappentexten und den geistreichen Personenlisten am Buchanfang hat mich tief geprägt: Friedhelm Werremeier, Hansjörg Martin, Boileau/Narcejac, Sjöwaal/Wahlöö, das sind Namen, bei denen mir heute noch schaudert vor Ehrfucht und Vergnügen. Ich liebe meine Arbeit als Kolumnist und Zeitschriftenautor, aber manchmal scheint sie mir wie ein schöner Umweg zum Krimi, denn als ich anfing, «Treibland» zu schreiben, hatte ich ganz klar das Gefühl: Ich bin endlich zu Hause angekommen, da, wo ich als Autor seit meiner Kindheit sein wollte.

Ihr Roman verdankt sich in gewisser Weise dem klugen Entschluss, Ihren nörgelnden Vater bei einer gemeinsamen Schiffsreise nicht über die Reling zu schmeißen, sondern lieber mit ihm ein paar Whiskys zu trinken. Was hat Sie beide eigentlich auf besagtes Kreuzfahrtschiff gebracht?
Eigentlich wandern wir regelmäßig einmal im Jahr ein Wochenende zusammen, aber das ging nicht, weil ich mir beim Eishockey bzw. Kart-Fahren oder, um ganz genau zu sein, Müllrausbringen den Fuß gebrochen hatte. Also schlug ich alternativ eine Kreuzfahrt nach England vor. Und wenn ich ehrlich bin, hatte ich von Anfang an den Hintergedanken: Darin könnte eine Geschichte stecken.

Als Kolumnist und Buchautor sind Sie ein ausgewiesener Spezialist für Männergefühle. Wenn Sie für Ihren Kommissar, der über weite Teile der Ermittlung unter recht unerfreulichen Umständen auf der «MS Große Freiheit» festgehalten wird, eine Art Profil skizzieren müssten – was für ein Typ ist dieser Adam Danowski eigentlich?
Adam Danowski ist ein Typ, der von allen unterschätzt wird, nicht zuletzt von sich selbst. Er arbeitet lieber am Schreibtisch, ist gern pünktlich zu Hause und hält sich aus den komplizierten Fällen raus, soweit das geht. Und weil er gern seine Ruhe hat, lässt er sich erstmal eine ganze Menge gefallen. Bis es ihm plötzlich zu viel wird und er, wenn keiner mehr damit rechnet, anfängt, sich zu wehren.
Ich glaube, das ist der große Fehler, den seine Gegenspieler in «Treibland» machen: Wenn sie ihn einfach in Ruhe gelassen hätten, hätte er den Fall nie gelöst und den Täter nie überführt. Aber als sie anfangen, ihn unter Druck zu setzen, ihn an seinen Ermittlungen zu hindern und zu bedrohen, geht er an seine geheimen Reserven und wird zu einem klugen und unberechenbaren Gegner.

Es gibt in «Treibland» eine Reihe witzig-sarkastischer Bemerkungen über Hamburg, die Stadt Ihrer Wahl: über die Elbphilharmonie, über Hammerbrook, über Eppendorf («Seit wann machen Sie Hausbesuche? Die Toten kommen doch allein nach Eppendorf»). Wie wichtig ist die Hamburg-Dimension für Ihren Roman?
Wie Adam Danowski bin ich in Berlin aufgewachsen, dort ist meine Heimat. Aber Hamburg ist mein Zuhause, darum war für mich immer klar: Alles, was ich schreibe, kann nur hier spielen. Allerdings könnte ich nach nur fünfzehn Jahren Hamburg niemals authentisch den Blick eines gebürtigen Hamburgers einnehmen, darum musste auch meine Hauptfigur von außen kommen.
Diesen Blick von außen finde ich wichtig, weil Adam Danowski sowieso nirgendwo so richtig dazu gehört, und weil dieser Blick mir ein paar liebevolle Scherze über die Stadt ermöglicht. Hamburg ist fantastisch, hier habe ich geheiratet, meine Kinder sind hier geboren, ich werde hier hoffentlich sehr alt werden, aber trotzdem rechne ich damit, hier immer auf eine gewisse Art fremd zu bleiben. Und diese Fremdheit finde ich für die Psychologie eines Krimis eine schöne und wichtige Ausgangslage.

Elke Heidenreich über Till Raether: «Ja, das kann ich mir vorstellen, dass Sie ein altkluges und naseweises Kerlchen waren, statt Che-Guevara-T-Shirt Schlips und statt Jeans Bügelfalte und das Haupthaar nett gescheitelt.» Wie gut fühlen Sie sich von Ihrer Brigitte-Mitkolumnistin getroffen – und wie bringen Sie das Ihren Kindern bei?
Woran Sie sich alles erinnern! Ich weiß nicht mehr, was ich Elke Heidenreich damals in unserer gemeinsamen Kolumne geantwortet habe, aber die Wahrheit ist: Ich trage heute sehr viel eher und sehr viel lieber als vor dreißig Jahren Bügelfalte und «das Haupthaar nett gescheitelt». Das heißt, ich sehe aus, wie ich mir einen Papa vorstelle, und damit kommen meine Kinder besser zurecht, als wenn ich enge Jeans und Skater-T-Shirts trage. Trotzdem, und das ist nur ein Aspekt des Scharfsinns von Elke Heidenreich: Sie hat mich in dieser kleinen, faktisch unzutreffenden Vignette paradoxerweise im Kern erkannt und anschaulich beschrieben.

Letzte Frage: Weshalb war es für Sie so ein Glück, für das Musikblog des Süddeutsche Zeitung Magazins Paddy McAloon, Mastermind der Band Prefab Sprout, interviewen zu dürfen?
Die Musik dieser englischen Popband begleitet mich seit fast dreißig Jahren, und beim Schreiben habe ich sehr viel davon gehört. Ein Freund hat mal gesagt, die Musik von Prefab Sprout sei wie «Petrichor», also: der Geruch von Regen auf trockener Erde. Und ganz ehrlich: was gibt es Besseres als den Geruch von Regen auf trockener Erde. Wer sowas hinkriegt, ist mein Idol, und weil ich sonst keines habe, war es für mich voriges Jahr ein Berufslaufbahn-Höhepunkt, Paddy McAloon von Prefab Sprout zu interviewen. Der dann zu allem Überfluss am Telefon genauso freundlich, witzig, geistreich und eloquent war, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Und der, seine Karriere resümierend, am Ende sagte: «Eigentlich möchte ich einfach nur in Ruhe gelassen werden.» Ha, habe ich da gedacht: genau wie mein Kommissar Adam Danowski.

Mehr vom Autor unter www.tillraether.de

 

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